Archiv der Kategorie: Sonstiges

Pramatisch, realistisch, kompromissbereit (5/5)


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Schluss

Lassen Sie uns hier wieder zum Gedanken vom ersten Teil zurück kommen: Es kommt immer auch darauf an, wer Pragmatismus, Realismus und Kompromissbereitschaft einfordert und in welcher Situation. Und das Ganze ist natürlich auch keine Einbahnstraße, d.h. es kommt auch immer darauf an, was das für die anderen bedeutet.

Echter Pragmatismus, echter Realismus, echte Kompromissbereitschaft sind wichtig. Die falschem Varianten, denen wir sehr häufig begegnen, sind zu enttarnen. Und die echten sind wohldosiert einzusetzen, denn man kann es auch übertreiben.

Sind Sie d’accord?

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Pragmatisch, realistisch, kompromissbereit (4/5)


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Kompromissbereitschaft

Die Abschaffung der Sklaverei, die Durchsetzung des Frauenwahlrechts, die Abschaffung der Kinder­arbeit und der Prügelstrafe, die Rechte der Arbeiter und Angestellten, und last not least die Rechte ethnischer Minderheiten – was glauben Sie: Ist das alles durch Kompromissbereitschaft erreicht worden?

  • Gandhi war nicht für seine Kompromissbereitschaft bekannt. Als er anfing, dem britischen Es­tab­lish­ment in Indien gefährlich zu werden, bot ihm der Vizekönig kleine Reförmchen an, und im Gegenzug sollte Gandhi Ruhe geben. Aber die Unabhängigkeit Indiens sei leider nicht möglich, da müsse er realisitisch bleiben (zum Realismus vgl. den letzten Teil). Gandhi lehnte ab.
  • Als Martin Luther King und seine Anhänger mit ihrem berühmten Marsch nach Washington und ihren Boykotten die damalige Gesellschaft der USA beinahe spalteten, und als klar war, dass man das nicht mehr ignorieren konnte, da rief ihn das weiße Establishment dazu auf, doch noch „ein wenig“ (also ein paar Jahrzehnte) zu warten, denn „die Gesellschaft“ vertrüge so viele Veränderungen in so kurzer Zeit nicht. Er und seine Leute sahen es nicht ein. Warum auch? Was wäre in 5 oder 10 oder 20 Jahren anders? Sie forderten jetzt ihre Bürgerrechte ein!
  • Als 1989 die Bürger der DDR auf die Straße gingen und „Wir sind das Volk!“ riefen, machten sie klar, dass sie nicht mehr bereit waren, zu warten. Es reichte einfach. Ihre Kompromissbereitschaft war erschöpft. Und die Kompromissbereitschaft, die die Regierung Krenz plötzlich zeigte, um noch zu retten, was vielleicht noch zu retten war, kam zu spät bzw. war nicht glaubwürdig.

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Pragmatisch, realistisch, kompromissbereit (3/5)


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Realismus

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Jede Kultur in jeder Zeit hat ihre Helden. Wir („Westler“, frühes 21. Jhdt.) haben sie auch. Einer von ihnen ist z.B. Steve Jobs. Jobs, unser aller Super-Visionär, der sich weigerte, „realistisch“ zu bleiben und einfach tat, was er für richtig hielt, weil er da gewisse Visionen hatte (und gegen Ende seines Lebens auch deshalb, weil er wusste, dass er nicht mehr viel Zeit hatte und deshalb seine ohnehin gering ausgeprägte Kompromissbereitschaft nahezu vollständig verschwand). Am Ende behielt er jedenfalls nicht nur Recht, sondern feierte sogar einen spektakulären Erfolg nach dem anderen. Oh, was für ein toller Mann er doch war, halleluja!

Die Buchläden sind voll von Motivations-Literatur und Biografien unserer Helden und Gurus. Wir sollen kreativ sein, querdenken, out of the box denken, uns nicht vorschnell von den vermeintlichen Sachzwängen einschüchtern lassen usw. usw.

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Pragmatisch, realistisch, kompromissbereit (2/5)


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Im letzten Teil hatte ich bereits etwas zu diesen drei Schlagwörtern geschrieben; dort über die politisch missbräuchliche Art und Weise, mit der sie häufig als Waffe eingesetzt werden.

Aber zu diesem Thema ist natürlich mehr zu sagen als nur der eine letzte kleine, sarkastische Beitrag. In diesem und in den folgenden Teilen (ich möchte es etwas ausführlicher machen, daher wird es etwas länger) will ich auf den eigentlichen, unverfälschten Sinn dieser Schlagworte eingehen – und darauf, dass sie auch in anderem – sozusagen im „nicht-taktischen“, „nicht-manipulativen“ Kontext nicht immer passend sind.

Bleiben wir dazu mal im Geschäftsleben (unserem Anker im ersten Teil), denn dort stoßen wir ja ganz besonders häufig darauf: „Pragmatisch“ müssen wir die Dinge angehen, „realistisch“ müssen wir bleiben, und „kompromissbereit“ sollen wir sein. Sonst kriegt man ja nichts gebacken. Perfektion ist etwas für lebensferne Akademiker und Theoretiker, Visionen können sich nur ganz wenige leisten, und wenn man immer nur mit dem Kopf durch die Wand und seinen Willen durchsetzen will, dann erreicht man bestenfalls einen Pyrrhus-Sieg.

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Pragmatisch, realistisch, kompromissbereit (1/5)


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Vielleicht geht es Ihnen so wie mir: Haben Sie sich nicht auch schon zig-mal über Leute geärgert, die in einer Mischung aus Rücksichtslosigkeit (manchmal auch Naivität) ihre Interessen gegen alle anderen durchsetzen, indem sie mit Regeln und Tabus operieren, die im gesellschaft­lichen und geschäftlichen Leben gelten?

Sie kennen alle einen der Klassiker dieser Masche: Klingelt einer an Ihrer Tür und fragt: „Wir machen eine Umfrage: Haben Sie etwas gegen entlassene Strafgefangene?“ Und wenn Sie jetzt so unvor­sich­tig sind, „nein“ zu sagen, dann sind Sie schon in der Falle, kommen nicht mehr ohne ein Zeitschriften-Abo weg. Es ist klar: Der Mensch, der Ihnen dieses Abo angedreht hat, ist durch eine spezielle „Schulung“ gegangen, in der man ihm beigebracht hat, an die besseren Instinkte des Menschen zu appelieren – und die erwartbare Reaktion darauf dann zu missbrauchen.

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Das Gedöns um die Büger-ID

Warum gibt es eigentlich keine Bürger-ID? Schon seit Jahren frage ich mich, wie das die Behörden eigentlich machen – genauer gesagt: teilweise weiß ich es: mehr schlecht als recht.

Jeder, der mal Datenbanken/Datenbank-Applikationen designt und programmiert hat, weiß wie das ist: mit anständigem Datenmodell und richtigen IDs in den Tabellen ist alles keine Affäre, und ohne geht alles nur sehr umständlich oder sogar gar nicht. Schon einfachste Abläufe und Auswertungen werden zur Qual, und man weiß nie, ob sich nicht so wieder irgendwo so ein verrecktes Datensätzlein vor den Zugriffen verborgen hält.

Ich hatte mal Gelegenheit, ein paar Monate lang für eine Firma zu arbeiten, die die Software für die IT-technische Verwaltung der Ärzte in den Ärztekammern der verschiedenen Bundesländer verwaltet – eine bessere Adressverwaltung, etwas respektlos gesagt, aber es trifft den Kern. Nichts Besonderes, sollte man meinen. […]

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Juristokratie

Der Begriff ist natürlich nicht neu, ist aber trotzdem nicht sehr klar umrissen und wird auch nicht einheitlich verwendet. Meistens werden mit „Juristokratie“ Missstände im Gesetzgebungs- und Rechtsprechungs-Verfahren beschrieben, insbesondere in den demokratischen Staaten. Z.B.:

  • die Tendenz der Legislative, in zu kurzer Zeit und getrieben von kurzfristigem politischem Kalkül, ohne die langfristigen Folgen zu beachten, zu viele Gesetze von schlechter Qualität zu verabschieden;
  • die Tendenz der Judikative, getrieben von persönlichen und politischen Motiven, ihr Mandat in aktivistischer Absicht zu überdehnen – etwa durch übermäßiges Interpretieren und Relativieren relativ klarer bestehender Gesetze.

Aber das ist nicht mein Schwerpunkt; ich möchte auf einen anderen Aspekt hinaus: Ich bekomme seit mittlerweile 15 Jahren zunehmend den Eindruck, dass wir in einer Welt leben, in der zunehmend Juristen bzw. die von ihnen verfassten Texte über Wohl und Wehe großer Bevölkerungsgruppen bestim­men, und das in allen Lebensbereichen. Und ich meine damit nicht die offizielle Rolle von Gesetzen und Rechtsprechung in unserer Gesellschaft, sondern die inoffizielle, quasi die „unerwünschten Nebenwirkungen“, die dadurch entstehen, dass in allen möglichen Situationen des Alltags die juristischen Aspekte übermäßig betont werden. Und Sie ahnen es schon: ich wage die vor­sichtige Behauptung, dass dies nicht unbedingt Besten von uns allen ist. Ich will es nicht zu abstrakt angehen, das führt zu nichts. Nehmen wir mal ein paar typische (und echte) Beispiele:

[…]

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